Zeichnungen Christopher

Beobachtungen mit Ferngläsern

 

Sichelnebel (Crescent Nebula) NGC 6888

Ein Wolf-Rayet Nebel im Hals des Schwans

 

In der Beobachtungsliteratur las ich einmal, dass der Sichelnebel wegen seiner geringen Flächenhelligkeit kaum mit kleinen Instrumenten zu sehen sei. Dies hat mich jahrelang davon abgehalten, es überhaupt zu versuchen. 2020 jedoch richtete ich endlich ein 8x56 Fernglas auf die Stelle. Ich ließ mich dabei nicht davon beirren, dass die Himmelsqualität bei FST 5m0 im Zielgebiet lag (d.h. der schwächste freiäugig sichtbare Stern hatte eine Helligkeit von 5m0 - im Englischen NELM, Naked Eye Limiting Magnitude, genannt). Denn ich hatte zwischenzeitlich bei anderen Nebeln die Erfahrung gemacht, dass selbst unter solchen Stadtrand-Bedingungen viel mehr Nebel zugänglich sind als gemeinhin gedacht - es kommt auf die präzise Filterung an!

Es entstand diese Skizze: 

Entschuldigt bitte die englische Beschriftung. Das ist meine Gewohnheit, da meine Muttersprache. Im linken Teil der Skizze ist die gesehene Nebligkeit schraffiert. Die Richtung der Schraffur hat keine Bedeutung. Im rechten Teil sind die Helligkeiten der Feldsterne angegeben. Der den Nebel anregender Stern Wolf-Rayet 136 (WR 136) hat 7m5.

 

Die Beobachtung notierte ich folgendermaßen:

Mit Baader [OIII]  8,5nm auf beiden Okularen: Deutlicher Eindruck von Nebulosität um ein Paar Sterne 7. Magnitude, sich ein wenig nach Osten erstreckend, ca. 10 Bogenminuten im Durchmesser.

Mit Astronomik [OIII]  12nm: Nicht mehr so klar, könnte dem Eindruck nach nur eine unaufgelöste Sterngruppe sein.

 

Beim Wechsel zurück zu Baader OIII 8,5nm werden jedoch die Feldsterne unterdrückt, während das neblige Glühen bleibt: damit eine eindeutige Sichtung des Nebels. Zur weiteren Überprüfung die Stelle mit 15x70 Fernglas ungefiltert angeschaut: dort ist keine Sternverdichtung, die unaufgelöst den nebligen Eindruck im 8x56 erzeugen könnte.

 

Ein Jahr später, angeregt durch die Präsentation des Sichelnebels als "Objekt des Monats Juli 2021" bei Astrotreff, habe ich mit demselben Fernglas draufgehalten, wieder bei FST 5m0, jedoch diesmal mit einer breiteren Filterpalette:

Ungefiltert: WR 136 bildet mit den 7m2 und 8m2 Sternen eine kleine Gruppe die sich nicht besonders von den vielen anderen Sternpaaren und -gruppen im Gesichtsfeld abhebt. Kein Nebel.

Astronomik [OIII] 12nm: Die Sterngruppe wird ein wenig auffälliger als die anderen Gruppen im Feld, besonders mit indirektem Sehen.

Baader [OIII] 10nm: Der mit Astronomik OIII 12nm gesehener Effekt wird stärker. Mit indirektem Sehen erahne ich Nebligkeit.

Baader [OIII] 8.5nm: Bestes Bild. Feldsterne werden weiter abgeschwächt im Vergleich zu 10nm. Doch der nebliger Eindruck bleibt unvermindert bestehen.

Astronomik H-Beta 12nm: Feldsterne werden etwa so abgeschwächt wie mit Baader OIII 8.5nm. Keinerlei Nebel zu sehen an der Stelle von NGC 6888. Jedoch jede Menge neblige Fleckigkeit in der ganzen IC 1318 Region um Sadr (Gamma Cyg).

 

 

Der wiederholter Erfolg mit dem schmalsten OIII Filter in meinem Fundus schrie förmlich danach, mit einem Großfernglas überprüft zu werden. So richtete ich ein 100mm Fernglas bei 44x auf den Nebel, die Filterauswahl nun auf OIII 10nm und 8,5nm beschränkend. So entstand diese Skizze:

 

Die Beobachtungen:

Ungefiltert: Kein Nebel.

Baader [OIII] 10nm: Die ganze "C"-Form ist mit indirektem Sehen auszumachen. Hellster Teil steht an der Schockfront direkt südwestlich des 7m2-Sterns.

Baader [OIII] 8,5nm: Der Steg der "Epsilon"-Form tritt mit indirektem Sehen in Erscheinung. Der hellster Teil südwestlich des 7m2-Sterns ist mit direktem Sehen deutlich erkennbar.

 

Insgesamt lieferte 8,5nm eine deutliche Steigerung gegenüber 10nm. Der Nebel war nicht nur besser von der Umgebung abgesetzt, sondern seine einzelnen Bereiche differenzierter. Während mit 10nm die Sache sich als eine etwas mühsame Grenzbeobachtung darstellte, war das mit 8,5nm ein Bild, in dem ich gerne und lange verweilte. Der Himmelshintergrund war mit 8,5nm nicht ganz dunkel, weswegen ich die Vermutung hege, dass mit Baader [OIII] 6,5nm oder Astronomik [OIII] 6nm ein weiterer Gewinn möglich sein könnte. Diese Filtertypen hatte ich jedoch zum Zeitpunkt der Beobachtung (noch) nicht zur Verfügung.


Helixnebel (Helix Nebula) NGC 7293

 

Ein großer PN im Horizontdunst

 

Beim Helixnebel kann ich bzgl. Himmelsqualität nicht wählerisch sein, denn bei Deklination -21° erreicht der Himmel kaum FST 5m0 im Süden an meinem Beobachtungsort. Am 14. August 2021 war der Himmel zwar ungewöhnlich gut im Zenit bei FST 5m4, in der Zielregion jedoch nur FST 4m5.

 

Da ich wusste, dass der Helix hell und groß ist, wählte ich das 10x42 Fernglas. Bei einem so hellen Objekt tut die etwas kleine Austrittspupille von 4,2mm (ich bevorzuge sonst 5 bis 7mm) nicht weh, und der Abbildungsmaßstab von 10x hilft gegenüber 8x oder 7x.

 

So entstand nebenstehende Skizze. Die von links nach rechts verlaufenden linearen Strukturen sind Scanning-Artefakte und haben keine weitere Bedeutung. Die Skizze hat die Anmutung von frühen Astro-Zeichnungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - damals mit den besten und teuersten Instrumenten der Zeit, nun mit einem Feldstecher erstellt. Die Forscher jener Zeit hatten weder Ferngläser noch Schmalbandfilter zur Verfügung - so können heute schon minder betuchte Amateure auf ihren Spuren wandeln.

 

Die Beobachtungen wurden mit identischen Filterpaaren durchgeführt (keine Filter-Mischung, keine einseitige Filternutzung am Fernglas):

 

Ungefiltert: Nichts vom Nebel zu sehen.

Baader Blau-CCD (aus der RGB-Filterpalette): Ein sehr diffuser Nebelball wird sichtbar, Durchmesser auf 12' geschätzt.

Baader UHC-S: Im Vergleich zu Baader Blau-CCD ist der Nebel schwächer, fast unsichtbar.

Astronomik UHC: Ähnlicher Eindruck wie mit Baader Blau-CCD, aber der Hintergrund ist dunkler, dadurch besserer Kontrast zu Umgebung und klarere Ränder des Nebels.

Astronomik [OIII] 12nm: Bester Anblick. Gut definierte Scheibe, nicht ganz rund sondern etwas nach Süd-Südost gestreckt. Scheint im Inneren etwas dunkler zu sein als am Rand, besonders Richtung Nordwest.