2° und mehr - Think Big

Groß-Ferngläser und kleine Teleskope sind Geräte mit ganz speziellen Möglichkeiten, sprich mit Gesichtsfeldern zwischen 2 und 4 Grad in Verbindung mit mehr Öffnung als Hand-Ferngläser. Für diese Öffnungsklasse gibt es kaum Beobachtungsempfehlungen für Objekte mit dieser Ausdehnung.

Wir werden unter dieser Rubrik nach und nach das eine oder andere lohnenswerte Großobjekt vorstellen.


Allgemeine Beschreibungen haben wir im weißen Text zusammengefasst. 

 

Die eigenen Beobachtungen sind grau unterlegt.

Die Öffnungen sind entsprechend der Schwierigkeit - leicht - mittel - schwer - nicht gesehen - farbig markiert.

 

Bei den Bildquellen handelt es sich, sofern nicht anders vermerkt, um SDSS/DSS-Bilder (Quellen: Aladin oder WikiSky). 


Skalar (engl. Angelfish)

Sh 2-264

Ori

05h37m00s

+09°50‘00“

Größe 360‘ x 300‘

 Entfernung 1.400 Lj.

B 30

 

05h30m10s

+12°50‘00“

Größe 60‘ x 40‘

 

Collinder 69

 

05h35m06s

+09°55‘59“

Größe 64‘ x 64‘

 

λ Ori

 

05h35m08s

+09°56‘03“

Größe --

 

Sh 2-264

Der Emissionsnebel Sharpless 2-264 ist der nördlichste Ausläufer des Orion-Molekülwolken-Komplexes, zu dem auch der berühmtere Orionnebel Messier 42 sowie Messier 43 und Barnard’s Loop gehören.

Sh 2-264 wird auch Angelfish Nebula genannt, da er auf Fotos einem nach Westen schwimmenden Skalar (Angelfish = Skalar, ein beliebter Süßwasser-Zierfisch) frappierend ähnlich sieht.

Ionisierungsquelle von Sh 2-264 ist der O-Stern λ Ori mit weiterer Unterstützung von den elf B-Sternen des jungen Sternhaufens Collinder 69.

Sh 2-264 ist eine eigenständige Sternentstehungsregion. Im Zentrum von Sh 2-264 ist die Sternentstehung abgeschlossen. Die Schockfront einer Supernova vor 1 Mio. Jahren im Zentrum treibt den 6° großen Nebel seitdem auseinander.

 

Im nördlich verbundenen Dunkelnebel Barnard 30 mit seinen Ausläufern Barnard 31, 32 und 225 findet Sternentstehung noch statt.

Nach weiteren 10 Mio. Jahren wird diese Sternentstehung auch in den Dunkelnebeln weitestgehend abgeschlossen sein, die OB-Sterne von Collinder 69 werden sich in die Feldpopulation verteilt haben und Orion’s Kopf wird nicht mehr leuchten. Schade, oder?

 

Beobachtungen

 

bloßes Auge - es darf spekuliert werden, ob der Kopf in früheren Zeiten, ohne Lichtverschmutzung, für die Menschen leuchtete. Das würde jedenfalls die Figur des Jägers Orion in einem anderen Licht erscheinen lassen. Wie dem auch sei, ist der zentrale Sternhaufen Collinder 69, auch als „Lambda-Ori-Haufen“ bekannt, unter klarem Himmel absolut auffällig. Nur sehr wenige Völker haben dem Kopf des Orion ein eigenes Bild in ihrer Kosmologie zugeordnet. Die Amazonas-Indianer, speziell der Stamm der Barasana, haben dies jedoch getan. Bei ihnen ist der Lambda-Ori-Haufen „Das Alte Sternding“, und wird mit den Plejaden in Verbindung gebracht, welche bei ihnen „Das Sternding“ heißen. Ich schaue mir oft Das Alte Sternding mit bloßem Auge an, denn er dient als guten Messer der momentanen Himmelsqualität - und frage mich dabei, ob sogar der Nebel für andere schon mit bloßem Auge geleuchtet hat.

 

FG 18x80 - aus südlicheren Gefilden werden Beobachtungen des Angelfish Nebula mit Feldstecher berichtet - aus unseren Breiten habe ich mit UHC-Filtern den hellsten Teil des Nebels 2° nördlich von Lambda Ori mit  erhaschen können - dieser Nebelteil ist die Rückenflosse des Skalars - der Kontrast zum direkt nordöstlich angrenzenden Dunkelnebel B 30 fördert die Sichtbarkeit des Emissionsnebels an dieser Stelle - der zentrale Haufen Cr 39 fällt mit bloßem Auge auf und ist reizvoll im Groß-FG – er braucht Sehfelder von min. 2° um zur Geltung zu kommen – der Farbkontrast zwischen den blauweißen Mitgliedern von Cr 39 und dem orangenen Vordergrundstern Phi2 Ori (ein orangener Riese in nur 116 Lj. Entfernung) ist auffallend

 

4" Refraktor - bei 20-fach ist der Cr 39 noch recht unauffällig. Formgebend sind drei hellere Sterne, die ein gleichschenkliges flaches Dreieck bilden und vier deutlich schwächere Sterne, die ein kleineres parallel liegendes fast identisches Dreieck bilden. Drei Sterne bilden eine der kurzen Seiten des Dreiecks

 

5" Doppel-Refraktor - bei 80-fach ist der Begleiter (Pos.winkel 43°) des blauen Riesen Lambda Ori gut abgesetzt


Tänzelndes Pferd

GDHN

Oph

17h30m00s

+10°37‘24“

Größe 9° x 7°

 Entfernung --

Unweit des galaktischen Zentrums kann man auf Fotografien mit etwas gutem Willen - ach was man braucht nicht wirklich viel Phantasie - in den dortigen Dunkelnebelstrukturen die Konturen eines nach Norden schreitenden oder besser noch tänzelnden Pferdes erkennen. In der amerikanischen Astronomieszene wird diese Struktur auch gern als Great Dark Horse Nebula oder auch Prancing Horse bezeichnet. 

Die Reise im Norden beginnend liegt neben dem Kugelsternhaufen Messier 9 der Dunkelnebel Barnard 64, der als Atemhauch des Pferdes aufgefasst werden kann. Barnard 259 gut 1° südöstlich bildet die Nüstern, Barnard 63 rund 3° südlich markiert das geschwungene Vorderbein. Der bekanntere Pfeifennebel etwa 6° südlich von Barnard 64 bildet den Rumpf und die Hinterbeine des Pferdes.

 

Die „Pfeife im Pferd“ verdient eine eingehende Betrachtung: Barnard 78 bildet den Kopf der Pfeife. Das Mundstück, Barnard 59, wird als Bok-Globul geführt, d.h. als physikalisch besonders dichter Dunkelnebel, und ist der einzige Ort aktueller Sternentstehung in der gesamten Pfeife. Der Stiel zwischen Barnard 59 und 78 trägt die Bezeichnung Barnard 65, 66 und 67. Der Pfeifennebel ist einer der uns am nächsten liegenden Dunkelwolkenkomplexe. Er liegt am Innenrand, d.h. am zum galaktischen Zentrum weisenden Rand, des lokalen Orion-Arms der Galaxis.

In südlicheren Gefilden soll es gut möglich sein, bei ausreichender Transparenz das Pferd in seiner Gesamtheit tänzeln zu sehen. Vielleich möchte es jemand im nächsten Fernurlaub probieren? Wir waren bislang auf Beobachtungen innerhalb Deutschlands begrenzt. Hierauf beziehen sich daher die folgenden Kommentare.

 

Im nördlichen Bereich des Pferdes ist Barnard 64 jener Teil, der sich am ehesten für eine erfolgreiche Beobachtung in unseren Breiten eignet. Dieser Dunkelnebel bildet mit dem Kugelsternhaufen Messier 9 ein einmaliges Kontrast-Paar. Die Hinterbeine des Pferdes werden zwar von Kugelsternhaufen umschwirrt (NGC 6293, NGC 6304 und NGC 6316, sowie unweit M 19 und M 62), doch nirgendwo sonst am Himmel kontrastieren jene beiden Objektarten so eindrucksvoll. Wir sehen mit 8“ bei 50-facher Vergrößerung Barnard 64 nach allen Seiten gut von seiner Umgebung abgesetzt, besonders nach Westen. Die auf Fotos zwei auffälligen Hauptkondensationen verschmelzen visuell zu einem einzigen Oval.

Das Prachtstück aus unseren Breiten ist fraglos die Pfeife. Im Fernglas 25x80 mit 3° Sehfeld ist der Kopf der Pfeife sehr beeindruckend. Ein Himmelsareal von 2x2° ist fast komplett sternfrei. Nur in der Mitte dieses Areals steht ein einzelner Stern 6. Magnitude. Dieser Stern ist hilfreich bei der Orientierung unter suboptimalen Bedingungen oder bei einer ersten Annäherung an Barnard 78. Nach Osten ist der Kopf besonders gut abgesetzt von der Sternumgebung.

Unter Landhimmel gewinnen wir im 80mm-Fernglas den Eindruck, dass Rauch nach Norden aus dem Pfeifenkopf aufsteigt - dies ist Barnard 77. Der berühmte Schlangennebel B 72 ist ein westlicher Fortsatz von B 77, begleitet vom ebenso bekannten Bok-Globul B 68. Die Winkelgröße dieser beiden Objekte macht nur wenige Bogenminuten aus, was bei Dunkelnebeln visuell kaum zu erfassen ist. B 72 und 68 sind wohl rein fotografische Genüsse.

Im Fernglas 25x80 ist der Stiel der Pfeife, B 67, B 66 und B 65 zu erahnen aber schwer zu fassen. Beim Mundstück der Pfeife B 59 angekommen, wird die Sache interessanter. Wir sehen hier ein dunkles Areal von gut einem halben Grad Ausdehnung. Der Zusammenhang mit dem Stiel ist visuell weniger handfest als Fotos und Karten es nahelegen. Dies liegt nicht zuletzt an der Störung durch einige Sterne der 7. und 8. Magnitude. Obwohl visuell viel weniger beeindruckend als der Kopf, macht die Betrachtung des Mundstücks der Pfeife doch Freude wenn wir uns vergegenwärtigen, dass wir hier auf den Ort aktueller Sternentstehung in der Pfeife schauen.

 

Nach solchem angestrengten „Schauen nach Nichts“ finden wir es immer wieder erholsam, im 80mm-Fernglas einen Blick auf die nahen Messier-Kugelsternhaufen M 19 und M 62 zu werfen. Der Versuch, im Fernglas die Kugelsternhaufen NGC 6293, 6304 und 6316, welche den Pfeifenstiel umrahmen, zu sehen, wird schon wieder anstrengend. 

Das Foto von Johannes Schedler zeigt deutlich B 72 und 68 sowie die NGC-Kugelsternhaufen. Es zeigt auch sehr schön, wie der einsame Stern 6. Magnitude, den wir im Text erwähnen, vor dem Kopf der Pfeife schwebt. Auch zeigt es den rötlichen Begleiter dicht nordwestlich von Theta Oph. Diesen Stern benutzen wir oft, um uns im Feld zu orientieren. Das Foto enthält also alles, was der visuelle Beobachter zur Orientierung braucht, und ist gleichzeitig extrem detailliert in den feinsten Verästelungen der Dunkelnebel. (Das Foto zeigt nicht die zwei Messier-Kugelsternhaufen, denn diese sind rechts bzw. unten knapp außerhalb des Bildes - jene Messier-KS sind im Übersichtsfoto von Gerald Rhemann gut zu erkennen.

 

Im Fernglas 16x70 mit 4° Sehfeld ist der Kopf Barnard 78 in seiner Gesamtheit zu erfassen, und wie schon im 80mm-Glas am besten nach Osten abgesetzt. Stiel und Mundstück sind nur zu erahnen. Im Fernglas 15x45 mit 4,5° Sehfeld ist der Eindruck ganz ähnlich. Dieser für uns interessante Befund zeigt, dass in diesem Himmelsareal bei geringer Horizonthöhe die Vergrößerung schwerer wiegt als die Öffnung. Dunkelnebel leben nämlich von ihrer Abgrenzung zu den umliegenden Sternen (oder, idealerweise, von ihrer Abgrenzung zum Hintergrundglühen der Milchstraße - dies ist jedoch bei so geringer Horizonthöhe leider nicht das Thema). Die Zahl der sichtbaren Sterne wird in dieser speziellen Situation mehr durch Vergrößerung als durch Öffnung bestimmt.

 



Orions Umhang - Barnards Loop

Sh 2-276

Ori

05h27m31s

-03°58‘12“

Größe 7,7° x 0,6°

 Entfernung 1.500 Lj.

Barnards Loop ist ein großer O-förmiger Emissionsnebel und gehört zu einer ausgedehnten Molekülwolke, in der laufend Sternentstehung stattfindet. Er zieht sich in einem weiten nördlich des Oriongürtels beginnenden Bogen von 15° Durchmesser um Orion’s Gürtel und Schwertgehänge herum, dessen Sterne vermutlich für die Ionisierung des Gases verantwortlich sind. Daneben wird der Loop von einer Supernova-Explosion (oder mehreren) getrieben, die vor ein paar Millionen Jahren stattfand(en). Aber es gibt auch einige andere Erklärungsversuche für diese 350 Lichtjahre großen Emissionsnebel. Der Nebel könnte auch nur ein kleiner Teil einer viel größeren Gaswolke sein. Zumindest im Infraroten füllt der Nebel fast das ganze Sternbild aus. 

 

Sh 2-276 wurde erst im Jahre 1895 fotografisch von Edward Barnard mittels einer Langzeitbelichtung entdeckt. Heutzutage reicht schon ein Fotoobjektiv mit wenigen Minuten Belichtung, um den Nebel sichtbar zu machen.

 

Visuell sieht es etwas anders aus und vor allem dunkler Himmel und eine große Austrittspupille sind wichtig. UHC/Hβ-Filter helfen sehr. Die nördliche Hälfte des Bogens ist dabei deutlich besser erreichbar als die südliche Hälfte. 

 

Beim Angelfish/Skalar (Sh 2-264) haben wir gemutmaßt, dass eventuell (ganz eventuell) der Kopf des Orion für frühere Menschen mit freiem Auge geleuchtet hat. Nun ist es so, dass Barnard’s Loop eine deutliche höhere Flächenhelligkeit als der Skalar hat. Uns liegt der Bericht eines Sternfreundes vor, der vor einigen Jahren unter besten Bedingungen in den Alpen die hellsten Teile von Barnard’s Loop tatsächlich mit freiem Auge – das heißt mit bloßem Auge und ganz ohne Filter! – gesehen hat. Dies bedeutet, dass Menschen in früheren Zeiten ohne Lichtverschmutzung selbst in unseren Breiten diesen Nebelbogen gesehen haben müssen. In südlicheren Breiten, etwa im Mittelmeerraum, gilt dies erst recht. Diesen Menschen muss der Nebel wie der Umhang des Himmelsjägers Orion erschienen sein.

 

Barnards Loop war Objekt des Monats Dezember 2016 auf Astrotreff, bei dem es in erster Linie darum ging, den Nebel schon mit Filter vor dem bloßem Auge auszumachen!

 

Beobachtungen

  

5" Doppelrefraktor - bei 26-facher Vergrößerung und UHC in jedem Okular wird in der Gegend um den Sternhaufen NGC 2112 auf Anhieb ein mattes Band westlich des Sternhaufens sichtbar, das den Haufen noch leicht umschließt - das Band lässt sich im knapp 3° großen Gesichtsfeld gut nördlich bis Omega Ori verfolgen, wo es schließlich ausläuft - OIII zeigt dagegen nichts.

Besonders interessant finde ich, dass das Band nach Osten - das heißt nach "außen" in Bezug auf die expandierende Hülle der Supernova-Explosion - viel deutlicher abgegrenzt ist als nach Westen. Auf seiner östlichen Seite kann ich es immer wieder einfangen, von der westlichen Seite kommend ist der Übergang vom Sternhintergrund dagegen sehr unbestimmt.

Bei 50-fach ohne Filter und langsamen Scannen von Ost nach West wird auf der Höhe von NGC 2112 der Übergang in den Nebelbogen klar, wenngleich nicht so deutlich wie bei Beobachtungen mit UHC-Filter.

Beim Hin- und Her-Scannen über den nördlichen Bereich des Loops schien es oft so, als würde der Bogen sich auf dem Weg nach Norden nicht nach Nordwesten krümmen sondern geradeaus nach Norden weiterführen. Die Lage des Übergangs in den „klassischen“ Nebelbogen nach Nordwesten ist dabei nicht eindeutig erkennbar. Dieser zusätzliche nördliche Nebelausläufer beginnt etwas südlich des Sterns 56 Ori, eigentlich umhüllt sein Ansatz auch den Sternhaufen NGC 2112. Er läuft Richtung Norden bis gut 1° südlich des Sterns 52 Ori. Diese Sichtung kann nur der auf dem Foto sichtbare dicke Nebelfinger sein, der senkrecht nach Norden fast bis zum Stern Betelgeuze reicht!

Nach einigem Recherchieren bin ich total überrascht. Immerhin handelt es sich hier um eine 4° x 1° große Struktur, von der ich bisher kein Wort zur visuellen Sichtung in der Literatur oder in den Weiten des Netzes gelesen habe. Vielleicht möchte jemand anders es versuchen, diesen Finger visuell zu erhaschen? 

FG 18x80 - Ich nahm mir den zuvor im 5“-Doppelrefraktor mit 3° Gesichtsfeld gesehenen nördlichen Ausläufer von Barnard’s Loop vor. Im nun 4° großen Sehfeld lässt sich der Ausläufer zusammen mit dem "klassischen" nordwestlichen Bogen des Loops sehen, mit einer keilförmigen nebelfreien Fläche zwischen den beiden Nebelbändern. Durch die klare Sichtung von Ausläufer + Zwischenraum + Bogen in einem Sehfeld ist die Beobachtung eigentlich noch leichter und schöner als zuvor im 5“-Doppelrefraktor. Feld bringt in dieser Situation mehr als Öffnung! 

Vergleichsbeobachtungen von flächigen Nebeln in der Umgebung mit FG 18x80 und UHC: Lower's Nebula Sh 2-261 in Monoceros zwar vorhanden aber sehr schemenhaft - Rosetten-Nebel NGC 2237 in Monoceros sehr deutlich und strukturiert - die Sichtbarkeit des nördlichen Bereichs von Barnard’s Loop liegt etwa zwischen diesen beiden Objekten - also ist der Loop eigentlich ein leichtes Objekt

 

14" Spiegel - bei 70-fach beim OS NGC 2112 begonnen - der Sternhaufen liegt zwischen dem hellen Rand im Südwesten und dunklerem Umfeld im Nordosten, aber das Abfahren von Barnards Loop mit 1° Gesichtsfeld ist trotzdem nicht einfach und die Nebelränder gehen immer wieder schnell verloren

 

Zeichnung rechts: Mathias Sawo freiäugig mit H-Beta-Filter


Westerhout 80

NGC 7000

Cyg

28h58m47s

+44°19'48"

Größe 120' x 100'

 Entfernung 3.700 Lj.

IC 5067

 

20h50m14s

+44°22'12"

Größe 40' x 30'

 

IC 5068

 

20h51m00s

+42°30'00"

Größe 120' x 50'

 

LDN 935

 

20h56m48s

+43°52'00"

Größe 150' x 40'

 

Westerhout 80

Der Nordamerikanebel NGC 7000 und der Pelikannebel IC 5067 sind sicherlich jedem bekannt, sie sind Teile eines einzigen viel größeren Emissionsnebels, nämlich Westerhout 80.

Die Mitte von Westerhout 80 wird vom Dunkelnebel LDN 935 verdeckt. Hinter LDN 935 in der "Bucht von Mexiko" liegt die Ionisationsquelle, welche das Ganze zum Leuchten bringt.

Doch da ist noch mehr: Weitfeld-Fotos zeigen recht deutlich, dass der gut 1,5° weiter südlich zu findende Cygnus Arc IC 5068 der eigentliche südliche Rand des Gesamtnebels ist, mit weiteren schwachen Ausläufern, die noch darüber hinaus reichen. Der Durchmesser von Westerhout 80 beträgt also satte 4°! Mit diesem Cygnus-Bogen wird Westerhout 80 zu einem einzigen Ganzen: LDN 935 ist das Trennende, der Cygnus Arc das Verbindende.

Die bekannte Great Wall im Nordamerika-Nebel ist ein typischer "bright rim" eines Emissionsnebel-Komplexes, wie er in vielen anderen solchen Nebeln auch zu sehen ist. Auch der auffallende hellere Bogen im Kopf des Pelikans ist ein Teil dieses "hellen Randes".

 

Beobachtungen

 

FG 8x42 -  und dabei jeweils einen OIII- und einen UHC-Filter vor die Öffnungen gehalten - die Ostflanke von NGC 7000 wirkt breiter und größer als sonst in Teleskopen mit nur einem Filter üblich - der Nebel ist östlich wie in einem Halbkreis gezogen in Richtung des Cygnus Arc, wo 4 hellere Sterne die Stelle des Bogens markieren - IC 5067 ist ganz schwach angedeutet sichtbar, vom Cygnus Arc selbst ist leider nichts zu erkennen

 

5" Doppelrefraktor - bei 26-fach sowie OIII und UHC auf jeweils einer Seite prangt der Pelikan in voller Größe im Okular - dann die große Überraschung: mehr als 1° südlich entfernt vom Pelikan glimmt ein Nebelbogen über anderthalb Grad Länge, mit einem Krümmungsradius, der etwa zur Mitte von Nordamerika/Pelikan weist - der Cygnus Arc IC 5068 - die drei im isDSA verzeichneten Verdichtungen im Arc verschmelzen zu einem Bogen 

 

12" Spiegel - bei 40-fach und OIII ist NGC 7000 ist eine Offenbarung - Mexiko springt einen förmlich an und im Nebel selbst werden Kondensationen deutlich sowie die scharfe Begrenzung im Westen ist sehr markant - Florida ist richtig gut erkennbar und an der Ostküste entlang verlaufen deutlich konturierte Helligkeitsunterschiede - die Bucht im Golf von Mexiko wirkt wie eingestanzt - der Pelikan IC 5067 zeigt sich als deutlich strukturierte Nebellandschaft zwischen den beiden Sternen 56 Cyg und 57 Cyg, der Pelikanschnabel ist gut erkennbar - vom Cygnus Arc wird der westliche Nebelteil IC 5068B sichtbar - bei Steigerung der Vergrößerung auf 50-fach (6 mm AP) zeigt sich der westliche Nebel als Bogen westlich eines helleren Sterns, der mittlere Bogen ist diffus angedeutet erkennbar - bei 70-facher Vergrößerung (4,4 mm AP) sind alle drei Nebelteile mäßig gut sichtbar


Fish on a Platter

Barnard 144

Cyg

19h58m00s

+35°18'00"

Größe 220' x 90'

 Entfernung --

LDN 862

Cyg

20h08m40s

+15°03'00"

Größe 60 x 50'

 Entfernung --

LDN 862 und Barnard 144

Der Dunkelnebelkomplex um Barnard 144 und LDN 862 in gut 7.000 Lichtjahren Entfernung liegt mitten im Hals des Schwans in der Cygnus-Sternwolke - unter Amateuren hat sich die Bezeichnung "Fish on the Platter", also „Fisch auf dem Servierteller“, eingebürgert - LDN 862 bildet den Kopf und Kiemen des Fisches, nach Südwesten folgt der gut 3° große Rumpf Barnard 144, der besonders um η Cygni herum deutlich wird - der Teller, auf dem der Fisch angerichtet ist, ist schlicht die Cygnus-Sternwolke als mächtige Verdichtung der Milchstraße im Hals des Schwans.

Edward Barnard beschreibt den Komplex in seinem 1927 posthum erschienenen "Photographic Atlas of Selected Regions of the Milky Way" folgendermaßen: "... die Umrisse dieser halbdunklen Region sind recht deutlich, außer ihres südwestlichen Teils, welcher allmählich in den allgemeinen Sternenhintergrund übergeht. In der Nähe der oberen linken Flanke erstreckt sich ein Teil des allgemeinen Hintergrundes bis zur Hälfte über den dunkleren Teil der Figur".

Der Große Fisch auf dem Servierteller braucht in noch größerem Maße als die meisten anderen Dunkelnebel genau die richtige Kombination von Objektiv und Okular, sprich von AP, Vergrößerung, Gesichtsfeld - dann aber ist er ein dankbares und sehr besonderes Objekt der Milchstraße - kleine Richfield-Teleskope sind hier von Vorteil - da das gesamte Gebiet mit Gasnebeln durchzogen ist, sollte man ruhig auch mit Filtern experimentieren.

Johannes Brachtendorf hat auf seiner Website Barnard 144 wunderbar anschaulich und detailliert behandelt, mit ausführlicher Bebilderung

 

 

Beobachtungen

 

4" Refraktor - bei 25-fach (4,2 mm AP) sind um η Cyg deutlich dunklere Bereiche (Barnard 144) erkennbar, die sich nach Norden ausdehnen, der Fischkopf (LDN 862) selbst ist gut erkennbar als Geflecht aus dunklen Schläuchen

 

5" Doppelrefraktor - bei 26-fach und OIII auf einem bzw. UHC auf dem anderen Auge ist der Komplex von Kopf bis Schwanz klar zu sehen - das Sehfeld von 2,8° fördert die angenehme Erfassung des gesamten Objektes - sowohl der Ostrand als auch der Westrand der Dunkelnebel-Struktur kann während des Abfahrens über seine 4,5° Länge von Nordost nach Südwest stets im Feld gehalten werden  - mit 2x UHC ist der Fisch gerade noch da, aber nicht mehr markant - dann filterlos ist der Fisch weg

bei 36-fach ohne Filter zeigt sich der Fisch, ist aber schwierig zu halten - bei 67-fach dann ist auch ohne Filter der Fisch deutlich in verschiedene Bereiche unterscheidbar - dem Kopf folgt ein Bereich mit erhöhter Sterndichte (in meiner Vorstellung die Kiemen; siehe auch Barnard’s Beschreibung, in der er diese Stelle explizit beschreibt), nach Südwesten gefolgt vom 2° großen Rumpf, besonders deutlich um η Cyg herum

 

12" Spiegel - bei 40-fach (8,9 mm AP) sind deutlich Strukturen gut ein halbes Grad westlich des hellen Sterns 28 Cyg erkennbar - im Nebel sind einige hellere Sterne erkennbar - südlich davon wird es noch einmal sternreicher und dann kommen richtige OW ausgedehnte "Querstreifen", vermutlich die Kiemen - Sternketten innerhalb des Dunkelnebelgebietes sorgen anscheinend für diesen Effekt - von LDN 862 ausgehend zeigen sich südlich deutlich markante Dunkelnebel-Gebiete, vor allem in der Nähe des Sterns η Cyg - ein Gesamtbild vom Fisch auf dem Teller will sich nicht so recht ergeben, aber allemal eine interessante Gegend