Cep OB2

Eine Blase nach der anderen

Sternbild: Cepheus

21h40m00s

+61°30'00"

Größe 14° x 12°

Entfernung 2.800 Lichtjahre

Die Sternassoziation Cepheus OB2 liegt im Orion-Arm der Galaxis, auch lokaler Arm genannt. Lokal bedeutet im astronomischen Sprachgebrauch, dass auch unsere Sonne in diesem Arm liegt.

Cep OB2 ist von einer Blase bzw. Hülle aus Molekülwolken und Emissionsnebeln umgeben. Diese "Cepheus Bubble" hat aus unserem Blickwinkel eine annähernd kreisrunde Gestalt. Satte 9° am Himmel messend, wird ihr Rand von mehreren großen Emissionsnebeln gesäumt.

Cep OB2
Bildquelle: DSS red (wir suchen noch nach einem besseren Bild)

Die Entstehungsgeschichte von Cep OB2 liest sich wie folgt: vor gut 10 Millionen Jahren entstand ein Haufen von massiven Sternen in einer Molekülwolke etwa in der Mitte der jetzigen Blase. Dieser Haufen ist noch vorhanden - NGC 7160. Der Strahlungsdruck und die Sternwinde der Haufenmitglieder erzeugten eine Blase, deren Hülle stetig expandierend Masse aus der Umgebung an sich zog. Dann endete das kurze Leben von einem der frühen, massiven Sterne des Haufens in einer Supernova-Explosion. Vielleicht gab es auch mehrere Explosionen. Die resultierende Druckwelle treibt die Blase seitdem weiter auseinander. Diese expandierende Blase mit den darin entstandenen Sternen ist Cep OB2A, der ältere Bereich der Assoziation.

Vor etwa 5 Millionen Jahren traf die expandierende Hülle dann auf ein Gebiet höherer Dichte an interstellarer Materie an ihrem südlichen Rand, wo ihre Energie eine neue Welle der Sternentstehung auslöste. Das hier entstandene jüngere Sternentstehungsgebiet ist Cep OB2B. Es enthält den Emissionsnebel IC 1396 (auch: Sharpless 2-131) mit seinem eingebetteten Sternhaufen Trumpler 37. Das Dreifachsternsystem Struve 2816 ist die wesentliche Ionisierungsquelle des Nebels. 

Ebenfalls in IC 1396 ist der bekannte Elefantenrüssel IC 1396A (auch: LBN 452). Dies ist ein Globul, das heißt eine dichte Wolke aus Staub und Gas in der neue Sterne entstehen. IC 1396A enthält zwei junge T-Tauri-Sterne, welche eine Höhle innerhalb des Globuls freigeblasen haben, sowie mehrere schwächere Protosterne. Doch damit nicht genug: Aktuell formieren sich mehrere eigenständige kleinere Sternentstehungsgebiete am Rand von IC 1396, also neue potenzielle Blasen am Rand einer frischen Blase (IC 1396) am Rand einer alten Blase (Cepheus Bubble).

Am nordöstlichen Rand der Cepheus Bubble ist eine weitere besonders aktive Stelle zu erkennen, nämlich Sharpless 2-140. Die Emission von Sh 2-140 wird im Wesentlichen von einem eingebetteten Sternhaufen Pismis-Moreno 1 mit einem dominierenden Doppelstern Struve 2896 angeregt. Auch hier entstehen neue Sterne und Haufen mit ihrer eigenen, neuen Dynamik: im direkt angrenzenden Dunkelnebel LDN 1204 eingebettet liegt der aktuell nur im Infraroten erkennbare Sternhaufen Sh 2-140IR versteckt. Die Strahlung aus dem Sternhaufen wird in ein paar Millionen Jahren (was ist das schon in der galaktischen Entstehungsgeschichte) den Dunkelnebel auflösen und wegblasen. Ein neuer offener Sternhaufen wird dann in Sicht kommen. 

Dann wird auch deutlicher werden, dass der diffuse, nördlich von Sh 2-140 liegende Emissionsnebel Sh 2-145 ebenfalls Teil der Cepheus-Blase und mit Sh 2-140 verbunden ist. Sh 2-145 ist aktuell nur fotografisch zugänglich und daher in den folgenden Beobachtungshinweisen nicht behandelt.

Der große Emissionsnebel Sh 2-129, auch Flying Bat Nebula genannt, steht am südwestlichen Rand der Cepheus Bubble. Er hat visuell eine Winkelgröße von 1,5°, fotografisch deutlich mehr. Hier ist jedoch weniger Masse versammelt als in IC 1396, und es fehlt ein zentraler Haufen. Daher ist dieser Nebel weniger leuchtkräftig und visuell schwerer zu greifen als IC 1396.

 

Die einige Grad südöstlich gelegene Assoziation Cep OB1 liegt in knapp 4-facher Entfernung im Hintergrund, im Perseus-Arm der Galaxis. Mit kurzer Bewegung des Teleskops oder Fernglases können wir hier zwischen Orion-Arm und Perseus-Arm schwenken.

 

Beobachtung der visuell interessanten Objekte:

IC 1396

GN

21h39m00s

+57°29'24"

sichtbar ab 4"

Größe 150' x 120'

Helligkeit --

Trumpler 37

OS

21h39m00s

+57°30'00"

sichtbar ab FG

Größe 50' x 50'

Helligkeit 5m1

Struve 2816

DS

21h38m58s

+57°29'20"

sichtbar ab FG

--

--

Herschels Granatstern μ Cep (My Cephei) steht perspektivisch am Nordostrand von IC 1396 und macht das Auffinden des Nebels mit bloßem Auge leicht - der Stern gehört nicht zur Assoziation sondern steht etwas im Hintergrund im Raum - der zentrale Mehrfachstern Struve 2816 mit einer Gesamthelligkeit von 5m4 ist schon unter mäßig gutem Landhimmel mit bloßem Auge auszumachen - von IC 1396 ist mit mittlerer Öffnung und UHC unter mäßig gutem Landhimmel der südöstliche Teil am ehesten zugänglich, unter besserem Himmel wird der gesamte Nebel sichtbar und strukturreich - unter allerbestem Himmel soll der Nebel sogar mit bloßem Auge sichtbar sein

Bild rechts: CCD-Guide - Rolf Geissinger


NGC 7160

OS

21h53m40s

+62°36'12"

sichtbar ab 4"

Größe 5' x 5'

Helligkeit 6m1

der Haufen er ist zwar recht klein und kompakt mit wenigen Mitgliedern, aber dennoch recht auffällig - der hellste Stern des Haufens ist der Bedeckungsveränderliche EM Cep, der in einer Periode von 0,8 Tagen zwischen 7m0 und 7m2 schwankt - er bildet zusammen mit einigen helleren Mitgliedern ein markantes längliches Dreieck - zu finden ist der Haufen leicht in Inneren das Hauses gut 1° südlich des auffälligen Veränderlichen Sterns VV Cep

NGC 7160 ist bei mittlerer Vergrößerung schon mit kleiner Öffnung weitestgehend aufgelöst - 

Bild rechts : CCD-Guide - Bernhard Hubl

Zeichnung rechts: Rene Merting - 12,5" und 110-fach bis 160-fach

12" Spiegel - bei 40-fach wirken die beiden hellsten Sterne wie Augen und die drei südwestlich liegenden Sterne wie ein kleiner Wurmfortsatz - indirekt sind nördlich noch 3 weitere schwache Sterne auszumachen - bei 110-fach ziehen im Norden insgesamt 6 Sterne mehr in einem schönen Bogen um das helle Paar, der Sterne im Bogen werden dabei von Ost nach West schwächer

NGC 7160
NGC 7160 Zeichnung

Sh 2-129

GN

21h11m48s

+59°57'00"

sichtbar ab 12"

Größe 70' x 7'

Helligkeit --

Der Flying Bat Nebula ist visuell kaum in seiner Gesamtheit zu erfassen - die östlichen und südlichen Ränder am ehesten zugänglich - unter sehr gutem Himmel mit H-Beta der hellste Teil am nordöstlichen Rand mit langen Filamenten - am südöstlichen Rand fleckig-lückig – anders als IC 1396 und Sh 2-140 beherbergt Sh 2-129 keinen markanten Sternhaufen

Bild rechts: CCD-Guide - Rolf Geissinger

 

Sh 2-129

Sh 2-140

GN

22h19m10s

+63°16'40"

sichtbar ab >12""

Größe 11' x 4'

Helligkeit --

LDN 1204

GN

22h19m40s

+63°20'30"

sichtbar ab 8

Größe 30' x 10'

Helligkeit --

PiMo 1

OS

22h18m50s

+63°16'16"

sichtbar ab 4"

Größe 16' x 9'

hellstes Mitglied 7m8

Sharpless 2-140 fotografisch fast kreisrund und vollmondgroß, ist visuell nur an seinem Nordostrand an der Grenze zum Dunkelnebel LDN 1204 zu erhaschen (auf diese hellste Stelle bezieht sich unsere Größenangabe von 11' x 4') - der Dunkelnebel ist leichter zu erfassen wie der Emissionsnebel

Pismis-Moreno 1 ist mit allen Öffnungen attraktiv, der im Haufen enthaltene Doppelstern Struve 2896 (7m8/8m6/Sep. 21") ist die wesentliche Anregungsquelle des Nebels - sehenswert ist der Sternhaufen vor allem, weil sein Anblick in Teleskopen stark an einen Zaubererhut erinnert

Bild rechts: CCD-Guide - Robert Pölzl

Zeichnunge rechts: Mathias Sawo mit 10" und 60-fach

FG 10x50 - Struve 2896 - der Doppelstern ist aufgelöst, wird östlich vom zarten Sterngesprenkel von Pismis-Moreno 1 begleitet

5" Refraktor - Pismis-Moreno 1 - wirkt bei 70-fach wie ein gleichschenkliges Dreieck mit sanft gebogenen Kanten von etwa 10‘ Länge - der Doppelstern Struve 2896 steht sehr markant an der westlichen Spitze des Dreiecks

5" Doppelrefraktor - LDN 1204 - bei 70-fach ist der Dunkelnebel nordöstlich von PiMo 1 auf einer Breite von etwa 0,5° durchaus augenfällig bei Kenntnis seiner Lage - es fehlen nämlich komplett die schwachen Sterne an der Auflösungsgrenze die im Bereich von PiMo 1 zu sehen sind

5" Doppelrefraktor - Sh 2-140 - bei 70-fach scheint ein zartes Glimmen dem nordöstlichen Bereich von PiMo 1 unterlegt zu sein, das könnte die hellste Stelle in Sh 2-140 sein - in 20 Beobachtungsnächten (ich besuchte während einer ganzen Beobachtungssaison in jeder möglichen Nacht diese Region) nur zweimal gesehen 

8" Spiegel - PiMo 1 - bei 30-fach springt der Hut sofort ins Auge, Haufen und Doppelstern sind sehr auffällig und gut aufgelöst - diese Vergrößerung ist völlig ausreichend - der Haufen hebt sich schön vom Umfeld ab, seine Mitglieder bereichern recht locker verstreut das Sternfeld

12" Spiegel - PiMo 1 - bei 40-fach habe ich sofort ein Bild im Kopf, das ist doch ein Zaubererhut - Spitze nach Norden und Krempe im Süden - der Doppelstern bildet ein schönes Schmuckstück auf der Krempe des Hutes - bei 70-fach sind gut 20 ähnlich helle Sterne locker verteilt zu erkennen

pismis-moreno 1


Hintergrundbild Copyright © Michael Vlasov