FL-Day Filter - Sonne, Jupiter

Die linke Grafik zeigt die Transmissionskurven von einigen Spezialfiltern des Herstellers B+W.  In Rosa ist die Kurve des Typs 499 F-Day zu sehen. F steht für "fluorescent lamp" (Leuchtstoffröhre), Day meint "daylight" (Tageslicht). Es handelt sich um einen Korrekturfilter für die Fotografie unter Leuchstoffröhren mit Tageslichtspektrum. Er senkt die Transmission im Grünen ab, um dem Grünstich solcher Lampen entgegenzuwirken. Die Farbwirkung am Okular kann als Magenta bezeichnet werden. 

 

Die rechte Grafik zeigt die Kurve des Konkurrenzproduktes von Hoya, der seinen Filter "FL-DAY" nannte. Hoya hatte auch für Weißlicht-Leuchtstoffröhren einen solchen Korrekturfilter namens "FL-W" im Programm (W meint "white"). 

 

Unter Planetenbeobachtern war der FL-D als universeller Marsfilter bekannt, er scheint jedoch in Vergessenheit geraten zu sein. Mit "universell" ist gemeint, dass eine Vielzahl der beobachtbaren Details auf der Marsoberfläche, die von jeweils spezieller Filterung profitieren, durch den FL-D Filter gleichzeitig besser sichtbar werden. Dies ist der gleichzeitigen Kontrastanhebung von Blau und Rot zuzuschreiben. Auch bei der Beobachtung von Jupiter und unserem Mond wird Positives über den FL-D Filter berichtet. 

 

Hinten links: B+W FL-D (so steht es auf der Fassung, nicht, wie an der Transmissionskurve, F-Day) in 77mm Schraubfassung.

 

Hinten rechts: Hoya FL-DAY in 77mm Fassung. Eine leichte Rotlastigkeit ist zu erkennen, wie die Transmissionskurve (siehe oben) sie auch erwarten lässt.

 

Vorne links: B+W FL-D  in 46mm Fassung, in einen 48-46mm Step-Down-Ring geschraubt und so auf 2 Zoll adaptiert.

 

Vorne rechts: Hoya FL-W in 46mm Fassung, ebenfalls in einen 48-46mm Step-Down-Ring geschraubt und so auf 2 Zoll adaptiert.

 

 

 


Ich habe vor, diesen Filtertyp eingehend an den Planeten zu erproben. Doch zunächst berichte ich über eine ungewöhnliche Anwendung: die Sonne! Wenn die Tage kälter werden, ist es ist eine besondere Freude, einen kurzen Blick auf unsere Sonne im Weißlicht zu werfen und sich dabei den Pelz wärmen zu lassen. So richtete ich bei guter Himmelstransparenz am 4. Oktober 2022 um 15 Uhr ein 20x60 Fernglas auf unseren Tagesstern. IDAS Glas-Sonnenfilter in 52mm Schraubgewinde vor den Objektiven blendeten die freie Öffnung auf 47mm ab. 

Bild rechts: Ansicht der Sonne am 04.10.2022 auf spaceweather.com

 

Die Sonne bot eine beeindruckende Schau mit sieben aktiven Regionen (AR). Wer sich nebenstehendes Bild auf dem Monitor mit 15cm Größe anzeigen lässt und es aus 50cm Abstand betrachtet, bekommt einen guten Eindruck des mit dem IDAS Glas-Sonnenfilter gesehenen Detailgrads bei 20x und 47mm freie Öffnung.

 

Dutzende von Einzelflecken waren in der AR 3112/3116 am nordwestlichen Sonnenrand zu sehen. Der östliche Teil der AR 3117 links unterhalb der Sonnenmitte war in zwei Punkte aufgelöst. Die Randverdunkelung (nicht auf dem Bild gezeigt!) war nur mit Schwierigkeit zu erkennen.

Der IDAS Glas-Sonnenfilter erzeugte einen charakteristischen, zarten Grünstich. Diese fast neutrale Bildfärbung bevorzuge ich persönlich gegenüber dem stark gelb eingefärbten Bild  von anderen Glas-Sonnenfiltern.

 

Nun schraubte ich den B+W KR 1,5 Skylight Filter (für deren Transmissionskurve siehe unsere Rubrik Nomenklatur, Abschnitt "Farbkonversion") zwischen die Objektive und die IDAS Sonnenfilter. Die Randverdunkelung wurde damit deutlich, wodurch die Sonnenkugel plastischer erschien. Die Fackelgebiete (wie "Narben" auf der Sonnenoberfläche erscheinend) in und westlich der AR 3112/3116 wurden sehr gut erkennbar. Andererseits verlor das Bild mit diesem Filter-Stacking ein wenig an Schärfe. Der östliche Teil der AR 3117 war nicht mehr aufgelöst. Farbeindruck: ein sehr zartes Eierschalengelb.

 

Als dritte Variante schraubte ich den  B+W FL-D Filter zwischen die Objektive und die IDAS Filter. Die Randverdunkelung und auch die Wahrnehmung der Fackelgebiete in und westlich der AR 3112/3116 waren genau so deutlich wie zuvor mit KR 1,5 + IDAS. Ein kaum wahrnehmbarer Schärfeverlust trat auf, der östliche Teil der AR 3117 blieb ähnlich gut aufgelöst wie mit IDAS allein. Farbeindruck: praktisch neutral.

 

Trotz des minimalen Schärfeverlustes gegenüber IDAS allein empfand ich das Bild mit dem B+W FL-D Filter plus IDAS Glas-Weißlichtfilter gestackt wegen seiner räumlichen Tiefe (Randverdunkelung, zunehmende Deutlichkeit der Fackelgebiete zum Rand hin), der neutralen Farbtönung (die leichte Unterdrückung des Grünen druch den FL-D hob die Grünlastigkeit des IDAS auf) und hohen Schärfe ästhetischer .

 

Eine weitere Erkenntnis dieses kleinen Experiments war, dass im Laufe der Beobachtung beim wiederholten Filterwechsel immer feinere Details an der Sonne erkennbar wurden. Ich hatte den deutlichen Eindruck, dass dies nicht etwa der Dauer der Beobachtung zuzuschreiben war, sondern vielmehr daran lag, dass der wiederholter Wechsel der Helligkeit, Schärfe und Färbung des Bildes meinen Wahrnehmungsapparat anregte. 

Die drei Filtertypen, die an dem Stacking-Experiment an der Sonne beteiligt waren.

 

Links: B+W KR 1,5 Skylight in 77mm Schraubfassung. Für dessen Transmissionskurve siehe den Abschnitt Farbkonversion in unserer Rubrik Nomenklatur.

 

Mitte: B+W 499 FL-D in 77mm Schraubfassung.

 

Rechts: Der IDAS Sonnenfilter in 52mm Schraubfassung wird mittels Step-Down-Ring an 77mm adaptiert.

 

 


Am 9. Oktober 2022 richtete ich ein 70mm "Semi-Apo" Fernglas bei 80x auf Jupiter, die Planetenscheibe zwei Wochen nach  der Opposition (26. September) satte 49" gross.

Bild rechts: Jupiter am 09.10.2022, Simulation durch Stellarium Software. Am linken Rand des Bildes ist der Hintergrundstern zu sehen, der im Beobachtungsbericht erwähnt wird. Er heißt HD 473, hat eine visuelle Helligkeit von exakt 10m0 und ergänzte die Mondreihe in sehr hübscher Weise.

Ungefiltert stand ein recht deutlicher, violetter Saum um den Planeten. Auch um die Monde waren Säume zu sehen, sehr schwach violett. Das NEB (North Equatorial Belt, dt. Nördliches Äquatorialband) war deutlich, das SEB (South Equatorial Belt, dt. Südliches Äquatorialbandschwach und schien am Westrand des Planeten (bzw. an unserem Himmel betrachtet am östlichen Rand) etwa 10" vor dem Scheibenrand aufzuhören.

 

Mit dem B+W FL-D Filter auf beiden Objektiven des Fernglases war der violette Saum um Jupiter komplett weg. Das NEB und SEB erschienen wesentlich kontrastreicher als ungefiltert. Der GRS (Great Red Spot, dt. GRF,  Großer Roter Fleck) trat ein wenig abgesetzt vom SEB in Erscheinung. Die Helligkeiten der vier Monde waren derart fein differenziert (im Gegensatz zur etwas aufgeblähten  Darstellung der Monde ohne Filter), dass ich sie leicht an ihren relativen Helligkeiten identifizieren konnte. Der 10mag Hintergrundstern HD 473, der ungefiltert unscheinbar, aber sichtbar war, war mit dem Filter weg.

Insgesamt lieferte der B+W FL-D Filter auf der Planetenoberfläche einen bedeutenden Gewinn, insbesondere die Sichtung des Großen Roten Flecks, der ungefiltert nicht auszumachen war. Auch die kompaktere Darstellung der Monde war ein Gewinn, der wohl vor allem der Eliminierung des violetten Saums zuzuschreiben ist. Als Verlust ist die Reduzierung der Grenzgröße von Hintergrundsternen zu nennen.

 

Ich testete an Jupiter zeitgleich den Zeiss T* UV Filter - siehe dazu den Bericht unter UV Filter und Luminanzfilter. Auf der Planetenoberfläche war der B+W FL-D Filter sehr im Vorteil im Vergleich zum UV Filter. Bei den Monden lieferte der Zeiss UV Filter ein kompakteres Bild als ungefiltert, der B+W FL-D Filter einen zusätzlichen Gewinn. Bei Hintergrundsternen brachte der Zeiss UV Filter einen bemerkenswerten Gewinn,  der B+W FL-D Filter einen Verlust. 

 

Im Ergebnis ist zu sagen, dass der B+W FL-D Filter klarer Sieger dieses Vergleichs war, sofern es um Details auf der Jupiteroberfläche ging. Steht jedoch die Einbettung des Planeten in seine Umgebung im Vordergrund, etwa bei der Begegnung mit Sterngruppen oder Sternhaufen, kann ein Blick mit dem Zeiss T* UV Filter nicht schaden.