Über Filteranwendung an Ferngläsern

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Filterplatzierung auf der Augenlinse des Okulars vermieden werden soll. Meine jahrelange Erfahrung an Ferngläsern widerlegt diese Behauptung.

Wichtig ist vor allem, dass das Fernglas reichlich Pupillenabstand hat, damit ein Filter und seine Halterung zwischen Auge und Fernglasokular Platz findet, und das gesamte Feld somit noch bequem zu überblicken bleibt. Dann kann sogar die Brille aufgelassen werden. Dies kann mitunter für Brillenträger bei den gebotenen großen Austrittspupillen bei der Nebelbeobachtung unerlässlich sein, so auch für mich.

 

Folglich fiel meine Wahl auf das Fujinon FMT SX2 10x70. Dieses Glas erfüllt alle erwünschten Merkmale:

  +  großer Pupillenabstand (23mm)

  +  hervorragende Transmission im Blauen

  +  kurzzeitig gut freihand nutzbar (1,9kg), unterstützt durch das gutmütige Einblickverhalten

 

Die großen Augenmuschel in Verbindung mit dem großen Pupillenabstand machen die Filteradaption leicht.

Mit sehr dünnem doppelseitigem Klebeband habe ich einen Einlegeadapter aus dem T2-System flach hineingeklebt. Dieser besitzt ein 28,5mm Innengewinde (Bezug bei Astro-Shop Vesting für ca. 15 EUR pro Stück). Fertig!

Filter in 1,25”-Schraubfassung können nun in Sekundenschnelle eingeschraubt und wieder entfernt werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Filter die “Low-Profile” Filterfassungen haben, die heute Standard sind. Alte “High-Profile” Fassungen können entscheidende Millimeter kosten.

Bei der Schmalbandbeobachtung stört von außen auf die Okulare/Filter fallendes Licht sehr.

Der als “Bino Bandit” vertriebene Streulichtschutz gibt Abhilfe. Er erlaubt in aufgehellter Beobachtungsumgebung einen entscheidenden Zugewinn in der Kontrastwahrnehmung – hier vorne links am Fujinon FMT 10x70 zu sehen, vorne rechts am Zeiss DS 7x45. Das Docter Nobilem 8x56B im Hintergrund vereint ebenfalls alle erwünschte Merkmale für die okularseitige Filterung in hervorragender Weise in sich. Wenn es um ein größeres Sehfeld oder längere Beobachtung geht (das 10x70 ist das leistungsfähigste Gerät in dieser Auswahl, die 1,9kg ermüden jedoch recht bald), ist das 8x56 oder das 7x45 das Instrument der Wahl.

Das 7x45 nutzt optimal die 45mm freie Öffnung von 2-Zoll-Filterfassungen bei objektivseitiger Anbringung.

 

Die Fernglas-Austrittspupille von 7mm bzw. 6,5mm mag manchem Sternfreund übergroß erscheinen. Sie erleichtert jedoch die Platzierung der Augen-Eintrittspupillen im Verhältnis zu den Okularen, was zum gutmütigen Einblickverhalten beiträgt. Vor allem: der Himmelshintergrund ist auch unter aufgehelltem Vorstadthimmel mit 5,5nm Filter wirklich dunkel. Dadurch geht die Augenpupille voll auf! Voraussetzung ist, dass gleichzeitig das Umgebungslicht gut abgeschirmt wird damit die Dunkeladaptation nicht verloren geht.

So gefiltert und abgeschirmt erscheinen im 10x70 Glas galaktische Nebel auch unter Vorstadthimmel wesentlich heller und besser von ihrer Umgebung abgesetzt als z.B. in einem 10x42 Fernglas.