Visuelle Nutzung fotografischer Linienfilter - Pushing the filter envelope

Autor: Christopher Hay

Die Lehrmeinung besagt, dass Linienfilter (H-Beta, [OIII]) nur mit mittlerer bis großer Öffnung und unter besonders dunklem Himmel nützlich seien. Ich habe jedoch die praktische Erfahrung gemacht, dass solche Filter gerade unter aufgehelltem Vorstadthimmel und mit kleinster Öffnung der Schlüssel zur erfolgreichen Beobachtung von ausgedehnten galaktischen Nebeln sein können.

Mehr noch: verlassen wir den Bereich der als „visuell“ vermarkteten Filter und wagen uns an fotografische Linienfilter mit engeren Halbwertsbreiten (HWB) verbessert sich die Wirkung zuweilen derart, dass neue Türen in der visuellen Nebelbeobachtung aufgestoßen werden.

 

Die alte Lehrmeinung aus dem letzten Jahrhundert hat die Amateurgemeinde davon abgehalten, engbandige Linienfilter überhaupt auszuprobieren. So gab es bisher kaum Berichte über die visuelle Nutzung von Linienfiltern enger als 10nm HWB. Um die Tür einen Spalt aufzudrücken, präsentieren wir hier eine Sammlung von Vergleichsbeobachtungen mit H-Beta Filtern von 12nm bis 5,5nm und [OIII] Filtern von 12nm bis 6nm. Schreiten wir tiefer in diesen Raum, erwarten uns auch Experimente mit Blau-Filtern aus fotografischen RGB (Rot, Grün, Blau) Filterpaletten bei der visuellen Beobachtung von Reflexionsnebeln.

 

Selbstverständlich wird es Situationen geben, in denen ein gängiger, visuell ausgelegter und relativ breiter Linienfilter oder ein noch breiterer UHC-Filter von Vorteil ist. Schließlich würde auch niemand behaupten wollen, dass ein einziges Okular für alle Situationen das Optimum darstellt. Wichtig ist, dass heutzutage Himmelsbeobachter in der glücklichen Lage sind, auf eine Palette verschiedener Halbwertsbreiten zurückgreifen zu können. Ich verwende z.B. fünf [OIII]-Halbwertsbreiten (12nm, 10nm, 8,5nm, 6,5nm und 6nm) sowie drei H-Beta Halbwertsbreiten (12nm, 8,5nm und 5,5nm). Alle sind visuell tauglich und erlauben es, den jeweils optimalen Filter für die gegebene Situation herauszugreifen, ganz so, wie wir aus dem Okularkoffer unsere Wahl des Okulars treffen. 

 


Anwendungsbeispiele

Nachfolgend geben wir Euch einen Überblick über Anwendungsbeispiele sortiert nach Nutzung von H-Beta, [OIII] und Blau-RGB.

 

H-Beta
H-Beta
[OIII]
[OIII]
Blau-RGB
Blau-RGB

Vorschaubilder: CCD-Guide - links: Franz Klauser, Manfred Wasshuber - Mitte: Jens Zippel - rechts: Sebastian Voltmer


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